Der EU AI Act ist in Kraft. Ein Teil der Pflichten gilt längst, ein anderer wurde per Digital Omnibus verschoben. Wer jetzt nichts tut, weil 2027 noch weit weg scheint, übersieht die Pflicht, die bereits heute gilt.
Was schon heute verbindlich ist
Verbotene Praktiken sind seit Februar 2025 untersagt. Ebenfalls seit Februar 2025 gilt die oft übersehene KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4: Unternehmen müssen sicherstellen, dass Mitarbeitende, die KI-Systeme einsetzen, über ausreichende Kenntnisse verfügen. Diese Pflicht trifft alle Unternehmen, die KI im EU-Binnenmarkt einsetzen, unabhängig von Größe und Risikokategorie.
Was verschoben wurde und was nicht
Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III sollten ursprünglich im August 2026 greifen und wurden über den Digital Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben. Wichtig: Der Omnibus betrifft nur die Hochrisiko-Pflichten. Die Grundanforderungen bleiben unverändert, und für GPAI-Modelle greifen ab August 2026 Sanktionsmöglichkeiten.
Wann ein System als Hochrisiko gilt
Typische Beispiele sind KI-gestützte Bewerbervorauswahl, Bonitätsbewertung oder Systeme in kritischer Infrastruktur. Für diese gelten dann umfangreiche Anforderungen: Risikomanagement, Daten-Governance, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht und Konformitätsbewertung.
Der praktische Einstieg
Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme setzen Sie ein, auch die eingekauften, die in Standardsoftware stecken? Welche Kategorie trifft zu? Wer im Haus arbeitet damit, und ist die Kompetenzpflicht erfüllt? Diese Inventur kostet wenig und schafft die Grundlage für alles Weitere.
Warum das eine Architekturfrage ist
Nachvollziehbarkeit, Protokollierung und menschliche Aufsicht lassen sich schwer nachrüsten. Wer heute ein System baut, das Entscheidungen automatisiert, sollte diese Anforderungen von Beginn an mitdenken, nicht, weil die Frist drängt, sondern weil nachträgliche Umbauten teurer sind als saubere Architektur.
Quellen: EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (AI Act); Digital Omnibus zur Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten; Fachanalysen zu Umsetzungsfristen für den Mittelstand 2026.
Noah Maxim Füllenbach


